Glückskinder

„Gott nahe zu sein, ist mein Glück!“

Psalm 73,28

 

Die Jahreslosung 2014 ruft bei jedem Christen Kopfnicken hervor und weckt die Sehnsucht nach dieser Erfahrung: Gott endlich einmal nahe sein von schlichter Gottes Nähe. Ungeheuer leicht kommt die Losung 2014 daher, fast als wäre dieser Satz einem Schlager entsprungen, der in seiner Leichtigkeit und Harmlosigkeit nach keiner weiteren Erklärung verlangt. Wer den Psalm als ganzes in einem Stück liest, sieht die Jahreslosung jenseits aller Schlagerlyrik in einem anderen Licht.

Im 73. Psalm setzt der Vers 28 einen Schlusspunkt nach einem langen zermürbenden inneren Kampf. Der Kriegsschauplatz ist die Seele des Beters. Alles steht in diesem inneren Kampf auf dem Spiel: Selbst-, Welt- und Gottesbild. Dreh- und Angelpunkt ist die Frage: Wie kann es Menschen, die offensichtlich Gottes Gebote mit Füßen treten, so gut gehen – und mir, der ich versuche nach dem Willen Gottes und seiner Gebote zu leben, so schlecht.

In dieser „Schlacht“ werden sämtliche Wahrnehmungen, Erfahrungen und Argumente ins Feld geführt, die der Nähe Gottes zu widersprechen scheinen. Die Welt steht für den Beter des 73. Psalms auf dem Kopf. Gott und mit ihm alle Werte und Leitbilder geraten ins Wanken angesichts des offenkundigen „Erfolgs“ der Gottlosen. Und dann gewinnt eine Erkenntnis Raum, die wie eine Vorwegnahme der Botschaft des Neuen Testaments erscheint: „Trotzdem bleibe ich immer bei dir. Du hast mich an die Hand genommen.“ (Vers 23) Das persönliche Lebensgeschick - Reichtum oder Armut, Erfolg oder Misserfolg in dieser Welt - wird nicht länger zum Spiegelbild von Gottes Nähe bzw. Ferne erhoben.

Das ungemein kritische Potential dieser Entkoppelung von Lebensgeschick und Gottesnähe übersehen wir nicht nur schnell, sondern auch sehr gerne. Schließlich erliegen wir selbst ja nur allzu gern den medial bereit gestellten Glücksversprechen. Diesem Spannungsverhältnis von Gottes Nähe und menschlichem Glück versuchen die Beiträge im Jugendgottesdienstmaterial auf ganz unterschiedlichen Wegen und Pfaden auf die Spur zu kommen.

 

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